Photokina 2010 – Tag 3: Hostessen quälen! In 3D!

Ich merke dieses Jahr, dass für mich der größte Reiz abseits der großen Messestände liegt. Zum einen gibt es wenig Neues, von dem nicht schon im Vorfeld der Messe berichtet wurde. Und zum anderen sind die Menschen an den Ständen in der Regel von einer solch erschreckenden Ahnungslosigkeit, so dass man sowieso nichts erfahren würde, selbst wenn es etwas Interessantes gäbe (dazu später mehr). Aber in den hinteren Hallen gibt es spannende Vorträge, Live-Shootings und Demos, wo man seine Zeit viel sinnvoller verbringen kann, als am Stand von Nikon oder Canon um dort nach einer halben Stunde Anstehen mal die neuesten Modelle zu betatschen. Mein Tipp: Lieber 90 Minuten in der Halle 9 den „Leading Photographers of the World“ zu zuhören. Dort hält jeden Tag ein anderer, in seinem Bereich zur Weltspitze gehörender Fotograf einen Vortrag über seine Arbeit inklusive einen Live-Shooting, bei dem man ihm über die Schulter schauen kann.

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Tim Mantoani - "Leading Photographer of the World" für Werbefotografie beim Erklären.

Irgendwie ist es wohl ein Irrglaube, dass es Rund um Köln tausende gut aussehende junge Frauen gibt, die sich intensiv mit der Fotografie auskennen. Da es alle 2 Jahre kurzzeitig die Nachfrage nach gut aussehenden jungen Frauen mit profunden Fotokenntnissen größer als das Angebot ist, muss man Kompromisse schließen. Auf irgendwas muss verzichtet werden. Offensichtlich wird auf die Kenntnisse verzichtet. Ich hab mir den letzten Jahren hin und wieder den Spaß gemacht und die Hostessen nach Basics zu den Produkten gefragt, die sie präsentieren. Das Ergebnis war niederschmetternd. Dieses Jahr war es schlimmer. Ich wollte wirklich was wissen…

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Die Zukunft des Dia-Abends

Neben kompakten Systemkameras das zweite große Thema auf der Photokina: 3D

Ich persönlich glaube zwar, dass der Hauptgrund für 3D darin liegt, dass nach Flachbildschirmen, HDready und nun FullHD eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden muss, um den Absatz von Fernsehern langfristig (also für 12-18 Monate) zu sichern.

Ich fotografiere nun schon seit Mitte der 90er und bilde mir ein, mich mit der Technik im Allgemeinem recht gut aus zu kennen, habe null Ahnung von der aktuellen 3D-Technik, bin aber in der Lage geistige Transferleistungen zu erbringen. Eigentlich wollte ich nur drei kleine Fragen beantwortet haben:

In welchen Dateiformat werden 3D-Bilder gespeichert? (mpo-Format)

Wie funktioniert das Dateiformat? (Es handelt sich um einen Container mit zwei JPG-Dateien)

Ist das Dateiformat ein anerkannter Standard? (Das scheint so, alle drei Firmen mit denen ich gesprochen habe benutzen es. Außerdem sind 3D-Fernseher in der Lage diese Dateien darzustellen)

Kann man 3D-Dateien in 2D-Dateien umwandeln? (Ja einfach durch Extraktion der eingebetteten JPGs)

Soweit so einfach. Um an diese Informationen zu kommen, habe ich eine geschlagene Stunde gebraucht.

Das Lowlight hatte ich gleich am Anfang am Stand von Sony.  Die gute Dame hatte nicht nur keine Ahnung, sie war auch leicht pampig. War vielleicht auch mein Fehler. Wenn ich merke, dass der Gegenüber keine Ahnung hat (und es vielleicht gar nicht weiß) werde ich in Zukunft die Konversation einstellen.

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Das Pferd hatte wahrscheinlich genau soviel Ahnung von 3D wie die Hostess, die den Stand betreute

Was an sich schade ist, denn der Sony-Ansatz ist vielleicht nicht der Beste aber der Unkonventionellste und technisch Interessanteste.  Die 3D-Bilder entstehen aus den Schwenkpanoramen, die man mit diversen Sony-Kameras machen kann. Dabei bewegt man die Kamera während der Belichtung über den Bereich, der später das Panorama bilden soll und die Kamera erstellt nun das Bild selbstständig. 3D wird das Ganze nun damit, dass die Kamera das fertige Panorama kopiert und dann bei einem Bild etwas vom Anfang und beim anderen Bild etwas vom Ende abschneidet: Schon hat man zwei leicht versetzte Bilder, die man zu einem 3D-Bild verrechnen kann. Clever!

Weiter ging es zu Fuji, die mit der Finepix Real 3D W3 das konsequenteste 3D-System haben: Eine Kamera, zwei Objektive, zwei 10Megapixel CCD-Sensoren. Inklusive einem Rückdisplay, dass 3D-Bilder anzeigt, ohne dass man dazu eine Brille braucht!. Die Qualität war erstaunlich gut, obwohl das ganze nach dem Prinzip der alten Wackelbilder funktioniert. Fuji hatte sogar einen digitalen Bilderrahmen mit diesem Prinzip 3 D-Bilder darstellen konnte. Als das System vor 2 Jahren auf der Photokina vorgestellt wurde, war dieser Bilderrahmen im Prinzip die einzige Möglichkeit, wie man diese Bilder darstellen konnte. Inzwischen gibt es aber wohl genug 3D-Fernseher, so dass der Bilderrahmen obsolet geworden ist. Schade.

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Finepix Real 3D W3 und 3D Viewer

Ich glaube, dass alles und noch viel mehr hätte ich am Fuji-Stand erfahren können. Nicht von der verlegen lächelnden Hostess, aber von dem Mitarbeiter im braunen Hemd, an den sie mich verwies. Leider hatte ich das Pech, dass der Mitarbeiter im braunen Hemd gerade ein Gespräch mit dem wahrscheinlich einzigen Westeuropäer führte, der die Fuji-DSLR, die es vor einigen Jahren gab, gekauft hat und immer noch gut findet. Nachdem die sich 10 Minuten darüber unterhalten haben wie klasse die Kamera doch war und ihn zwischenzeitlich eine weitere Hostess in Beschlag nehmen wollte, hatte ich keine Lust mehr und bin zu Panasonic weiter gezogen.

Bei Panasonic wollte ich alles richtig machen. Ich hab mir einen freundlichen Herrn gesucht. Leider fruchtete dieser chauvinistische Ansatz auch nicht sehr, der freundliche Herr hatte leider auch nicht mehr Ahnung als seine Kolleginnen und konnte auch nur das Nötigste aufsagen, was man ihm vorher gesagt hat. Immerhin so viel: Mit den Panasonic-Kameras DMC-G2 und DMC-GH2 sowie einem zwei-linsigen Spezialobjektiv  kann man 3D-Fotos machen. Dazu werden die zwei Bilder durch das Objektives so zusammen gestaucht, dass sie auf den einen Sensor passen. Die Kamerasoftware streckt die Bilder dann wieder in das Ursprungsformat und macht eine 3D-Datei im bekannten mpo-Format daraus. Da die Linsen die Bilder zusammenstauchen, damit zwei Bilder auf einen Sensor passen, geht das zu Lasten der Auflösung. Die 3D-Bilder haben also eine geringere Auflösung als die 12 bzw. 16 Megapixel, die die Sensoren eigentlich könnten. Durch die räumliche Nähe der beiden Linsen zueinander, ist der Bereich, der dreidimensional abgebildet wird auf den Raum von 1 bis 4 Meter hinter der Kamera beschränkt. Dahinter wird es wieder flach.

Filmen geht nicht, dafür brauchts dann eine Videokamera die mit einem ähnlich arbeitenden Objektiv arbeitet.

Abgesehen von der Fuji-Lösung, braucht man zum Ansehen der 3D-Bilder zwingend einen 3D-Fernseher oder eine Monitor-Grafikkartenkombination die 200 Hz-Darstellen kann. Und natürlich eine Brille. Ohne Brille geht noch nichts. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Systeme auf Shutter-Brillen setzen. Systeme mit Polarisationsbrillen waren deutlich in der Minderheit.

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Die Präsentation der 3D-Kameras hatte auch schon etwas Surreales. Bei Panasonic machten irgendwelche Darstellerinnen seltsame Bewegungen vor und zurück, wurden von einer Kamera gefilmt und der Film wurde auf einen unmittelbar davor platzierten Fernseher ausgegeben auf den man gebannt mit der Brille das Tun der Künstlerin verfolgte.  Ein Blick nach vorn und man hätte alles in Real-Life-3D und ohne Brille sehen können.

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Guck mal, ich bin 3D

Nun stellt sich die Frage, ist 3D die Zukunft der Fotografie? Ganz sicher nicht.

Ich finde die meisten 3D-Bilder wirken künstlich. So als hätte man auf eine Bühne 2-dimensionale Pappaufsteller aufgebaut. Die mögen zwar erkennbar im Raum verteilt sein, aber trotzdem wirken sie einfach nur flach.

Außerdem ist es fürchterlich unpraktisch. Sieht man von der Fuji-Lösung ab, die sogar Ausdrucke in 3D erlaubt, ist man praktisch zwingend auf einen 3D-Fernseher mit Brillen angewiesen. Für den Besuch bei den Eltern, wo man mal eben die Bilder vom letzten Urlaub rumzeigen möchte muss man dann doch wieder auf die 2D-Version des Bildes zurück greifen.

Ich kann mich irren, aber für mich wird 3D in den nächsten Jahren eine Randerscheinung bleiben. Die Nische wird größer, aber der Massenmarkt wird damit nicht bedient. Für mich persönlich ist es eine interessante technische Spielerei, aber fotografieren möchte ich nicht damit.

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