Photokina 2010 – Tag 4:The Good, the Bad and the Ugly

Heute war der letzte Tag der Photokina, an dem man sich noch halbwegs durch die Gänge bewegen konnte. Samstag und Sonntag sind dann die typischen Publikumstage, an denen sich die Unmengen von Menschen durch die Gänge drängen werden. Wie gut, dass ich mit meinem Programm fast durch bin und die letzten beiden Tage mit Vorträgen und Bilder gucken genießen kann.

Heute möchte ich über ein paar Dinge berichten, die ich auf der Messe gesehen habe. Einige die ich sehr gut fand (und die meine Fotoausrüstung ergänzen werden), einige, die ich zumindest interessant fand und einige, die ich in der Präsentation eher unglücklich fand.

Die Highlights:

Wer in Halle 9 will, um die „Leading Photographers of the World“ zu sehen (Heute der göttliche Guido Karp. Wer heute auf der Photokina war und den verpasst hat, sollte sich vor Ärger in den Allerwertesten beissen), kommt unweigerlich an den Ständen der Schwesterfirmen von California Sunbounce und Sun-Sniper vorbei.

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Ich hab mich ja immer gefragt, wie jemand dazu kommt, 70 Euro für einen Tragegurt auszugeben. Nachdem ich auf der Messe mal einen anprobiert habe, weiß ich warum. Die sind recht angenehm zu tragen, man kann schnell nach der Kamera greifen, ist sofort schussfertig und selbst wenn man einen Rucksack auf hat, behindert das nicht. Besonders, wenn man ein großes Objektiv, wie zum Beispiel ein 70-200 2.8, benutzt ist der Komfortgewinn beträchtlich. Der Riemen wird dann an der Stativschelle des Objektives angebracht. Man kann die Kamera dann bequem tragen. Kein Vergleich zu der Situation, wenn man eine Kamera mit so einem großen Objektiv klassisch am Riemen um  den Hals trägt.

Offensichtlich war ich nicht der einzige, der von dem Teil begeistert war. Viele, die eins ausprobiert haben, haben dann auch gleich ein Exemplar (mit 10 Euro Messerabatt) erworben. Ich auch. Es hat mir die Folgezeit auf der Messe sehr viel angenehmer gemacht.

Punkte für die Firma gibt es auch in der B-Note. Am Abend habe ich gesehen, dass eine Naht aufgeraut war. Kein Problem, am nächsten Morgen wurde mir auf der Messe sofort und ohne dass ich den Kaufbeleg hätte vorzeigen müssen, ein Neues ausgehändigt. So gehört sich das.

Das zweite Produkt, bei dem Materialwert und Preis auf dem ersten Blick in einem krassen Missverhältnis stehen, sind die Produkte von Gary Fong.

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Vorne Lightsphere Collapsible, hinten PowerSnoot mit Wabengitter

Zunächst würde ja auch niemand auf die Idee kommen, für einen Plastikbecher ca. 60 Euro zu bezahlen. Der Effekt ist aber dramatisch und deshalb ist das gute Stück seinen Preis wohl auch wert. Überall dort, wo man keine weiße Decke in Griffweite hat, macht die Lightsphere das Licht weicher.

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Frontal direkt geblitzt

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Mit Lightsphere

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich so ein Teil in meiner Fototasche habe, wenn ich demnächst auf der Hochzeit meines Schwagers fotografiere 😉

Wer in der Halle 5 unterwegs ist, bleibt unweigerlich an den atemberaubenden Bildern stehen, die dort an einer Wand ausgestellt sind.

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Die Brillanz der hinter Glas verklebten Bilder (UltraSec ist der Markenname) ist extrem beeindruckend. Verantwortlich dafür ist die Firma Fachcolor Bühler, die sich das auch entsprechend bezahlen lässt. Gegen eine Schutzgebühr kann man auch eine Probe erstellen lassen. Ich denke, dass diese Methode für die meisten Motive wahrscheinlich ein absoluter Overkill ist, aber sollte ich jemals in die Verlegenheit komme, in einem Canyon zu fotografieren, weiß ich jetzt, an wen ich mich wenden würde.

Auch interessant:

Für mich persönlich hat Lightroom meinen gesamten Umgang mit digitalen Bildern grundlegend geändert. Nichtsdestotrotz habe ich mir heute mal zwei Konkurrenzprodukte angesehen. Bibble 5 und ACDSee Pro 3.

Ich  werde keines der beiden Produkte je benutzen, weil ich mich in dem dem golden Käfig des Lightroomkataloges eigentlich ganz wohl fühle. Aber beide Produkte haben doch einige pfiffige Detaillösungen, die so Lightroom nicht bietet.

Bei Bibble fand ich sehr spannend die Möglichkeit, PlugIns in den Raw-Bearbeitungsprozess einzubinden. Wenn man Lightroom ein PlugIn aufruft, wird dem PlugIn eine Tiff-Datei-Übergeben und der nicht destruktive Workflow ist an dieser Stelle zu Ende. Bei Bibble ist das anders, da bleibt die Änderung des PlugIns Bestandteil der Raw-Bearbeitung.

Auch ACDSee hatte einige nette Features. Etwas, was sich Adobe mal anschauen sollte, ist die Möglichkeit, nicht nur Helligkeits-Vignetten zu legen sondern auch Unschärfe-Vignetten.

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Unschärfe um das Schiff für einen Miniatureffekt

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Unschärfe auf dem linken Auge

Vor dem Hintergrund, dass beide Programme jeweils weniger als die Hälfte von dem kosten, was Lightroom kostet und von beiden Programmen kostenlose Testversionen im Netz zu haben sind, sind sie vielleicht eine Alternative für alle die, die sich noch nicht auf Lightroom festgelegt haben.

Meine Flop 3

Erst mal vorweg: Mir geht es nicht darum, dass die Produkte schlecht wären. Vielmehr halte ich die Präsentation für etwas unglücklich.

Platz 3: Sony für die Präsentation der neuen Kameras a 55V und a 33

Sony hat mit den beiden Kameras ein interessantes neues Konzept mit feststehenden Spiegel und elektronischen Sucher vorgestellt, dass in erster Linie mit extrem hoher Serienbildfunktion und schnellem Autofokus punktet. Um die Actiontauglichkeit zu untermauern hat Sony eine spektakuläre Show in einer Halfpipe aufgefahren. Leider haben die meisten Besucher die Show dann doch für Fotos mit der eigenen Kamera genutzt und die ausliegenden Sony-Kameras eher nicht beachtet.

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Platz 2: Die Casio Exilim EX-ZR 10 leitet das Ende der HDR-Fotografie ein!

Als ich zum ersten Mal die HDR-Bilder mit den unwirklichen Farbeffekten gesehen hab, war ich angetan. Beim zweiten Mal gelangweilt und im Moment geht es mir einfach nur noch auf die Eier.

Casio hat zur Präsentation der neuen Exilim EX-ZR 10 etwa die Hälfte des Messestandes genutzt, um vor allem den neuen HDR-Art Filter herauszustellen.

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Mal im Ernst, wer hat nicht schon immer davon geträumt, solche Bilder bei sich im Wohnzimmer zu haben? Aber ich sehe dass positiv: sobald sich diese Filter in mehreren Kameras befinden, wird sich kein ernsthafter Fotograf mehr trauen, solche Bilder zu produzieren. Das Feld der „künstlerischen HDR“ wird bald so tot sein, wie … nun ja tot halt.

Das Traurige dabei ist aber, dass der technische Hintergrund, das die schnellen Aufnahmen von einem Bild mit  unterschiedlicher Belichtung, ja auch sehr gut dafür genutzt werden kann, den Dynamikumfang zu erweitern, geht leider bei diesen quietsch bunten Bildern unter.

Platz 1:  bekommt die Nase, die die tolle Idee hatte, auf einer der großen Bühnen einen Film über Handy-Fotografie zu bringen, der dann auch noch so tolle Tipps enthielt, wie nicht gegen die Sonne zu fotografieren. Mensch, das ist die Photokina, hier laufen Menschen rum, die soviel Geld in ihre Kamera Ausrüstung stecken, wie andere Leute in ihr Auto. Und sag mir nicht, wie ich zu fotografieren habe. Ich habe schon ganz tolle Gegenlichtaufnahmen gemacht.

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