Canon EOS 50D

Die Photokina wirft ihre Schatten voraus. Weniger als einen Monat noch, bis sich in Köln die Tore öffnen. Langsam werden die ersten Produktankündigen veröffentlicht. Heute war Canon an der Reihe und ich muss sagen, dass sie mich überrascht haben. Sie haben mich damit überrascht, was sie angekündigt haben und was sie nicht angekündigt haben. Allerdings haben sie mich nicht begeistert.

Nicht angekündigt haben sie einen Nachfolger für die nun doch sehr betagte EOS 5D. Das überrascht, weil in eigentlich allen Publikationen von einem Nachfolgemodell ausgegangen wurde. Damit fehlt Canon zwischen der Amateurlinie EOS x0D und der Profilinie EOS 1D ein aktuelles und attraktives Modell. Das wiegt umso schwerer, als dass Nikon in dem Bereich mit der D300 und insbesondere der D700 zwei äußerst attraktive Modelle im Portfolio hat. Insbesondere mit der D700 positioniert Nikon eine Kamera mit Vollformat-Sensor in dem selben Segment wie die Canon 5D. Aber vielleicht kommt ja noch was, bis zur Photokina ist ja noch was Zeit.

Tatsächlich angekündigt wurde allerdings die EOS 50D, der Nachfolger der EOS 40D. Dies überrascht, da die 40D gerade erste in Jahr auf dem Markt ist. Bisher betrug der Produktzyklus bei den EOS x0D immer 18 Monate (EOS 10D – 3/2003, EOS 20D – 9/2004, EOS 30D – 3/2006, EOS 40D – 9/2007). Offensichtlich hat man sich entschieden, den Produktlebenszyklus im Segment der DSLR nun auch drastisch zu verkürzen. Ich vermute mal, dass dies eine Folge einer verstärkten Wettbewerbssituation ist. Zum einen tritt nun Sony aggressiv mit den neu entwickelten Gehäusen auf den Markt, die auf dem alten Minolta-Bajonett basieren, zum anderen hat die Kooperation von Pentax und Samsung dazu geführt, dass es nach langer Zeit wieder attraktive Spiegelreflex-Kameras mit Pentax-Bajonett gibt. Und dann gibt es noch das 4/3-System, in dem ebenfalls Olympus mit 2 neuen Gehäusen auf dem Markt gekommen ist, die allerdings ein anderes Marktsegment bedienen.

Also nun bereits nach 12 Monaten ein neues Mittelklassemodell von Canon. Äußerlich gibt es eigentlich kaum eine Veränderung (zumindest ist mir auf den Fotos, die auf Golem.de veröffentlicht wurden, nichts aufgefallen). Natürlich hat die Kamera tolle neue technische Sachen, wie einen neuen Digic-4-Prozessor, aber was hat sich denn nun, außer dem Namen des Bildprozessors, tatsächlich für den Fotografen geändert? Bei der Durchsicht des Datenblattes sind mir eigentlich nur folgende Punkte aufgefallen:

  • Eine Bildauflösung von 15 Megapixel
  • Eine höhere Empfindlichkeit von ISO 3200 (bis zu ISO 12.800, wahrscheinlich analog zur HI-Einstellung der EOS 40D die man über die Individualfunktionen freischalten kann
  • Ein 3“-Display mit 920.000 Pixel

Der Rest ist eigentlich gleich geblieben, beziehungsweise nur Spielerei fürs Datenblatt (oder braucht jemand wirklich ein Live-View mit Gesichtskontrolle und Smile-Detection?).

Auf den ersten Blick nun nichts wirklich Umwerfendes aber es erscheint wie eine sinnvolle Modellpflege. Auf den zweiten Blick bleibt jedoch ein sehr schaler Beigeschmack zurück. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass der nur Marketing geprägte Pixelwahnsinn, der bereits bei den Kompaktkameras gewütet hat, nun auch bei den DSLR Einzug hält. Denn wenn ich die EOS 50D mit der Vorgängerin vergleiche, dann bleibt doch, so schön eine hochauflösendes Display und höhere ISO-Zahlen sind, nur das mehr an Pixeln als „echtes“ neues Verkaufsförderndes Feature. Da fängt mein Problem an. Nun sind viele Megapixel erstmal schön, solange sie tatsächlich zu besseren Bildern führen. Aber wo tun sie das noch? Natürlich gibt es noch Potential für qualitativ bessere Bilder, aber mal ehrlich, wer aus der Zielgruppe der EOS x0D hängt an seine Kamera eine Festbrennweite mit dem L im Namen. Die Kit-Objektive kommen doch schon bei den bisherigen 10 MP an ihre Grenzen. Im Normalfall dürften die zusätzlichen Megapixel nur zu größeren Bilddateien aber nicht zu besser aufgelösten Bildern führen. Hier sei auch auf die vielen Testberichte verwiesen, die zum Beispiel den neuen Sony und Pentax/Samsung-Modellen bescheinigen, dass sie von ihrer hohen Auflösung, zumindest mit den Test-Objektiven, nicht profitieren können.

Fazit: Wir sind nun auch bei den DSLRs in der Situation, dass aufgrund der gestiegenen Konkurrenz kürzere Produktlebenszyklen gefordert sind. Dem stehen aber nur noch wenige Aspekte gegenüber, die sinnvoll verbessert werden können (d.h. eigentlich fallen mir durchaus noch einige ein, aber die lassen sich nicht so einfach im Marketing transportieren), so dass an der Pixelschraube gedreht wird. Da inzwischen aber die Objektive das limitierende Element sind, führen die Innovationen nicht mehr zu einem mehr an Qualität sondern nur noch zu einem mehr an Quantität (=größere Bilder). Und an eine Qualitätsoffensive, die zu hochwertigen aber bezahlbaren Objektiven führt, glaube ich nicht so recht. Eher das Gegenteil, denn heute wurde auch ein neues Objektiv angekündigt. Ein EFS 18-200 mit IS aber ohne USM, wie es scheint…

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