Lightroom 4 Beta – Pseudo-HDR- bzw. Hochkontrastbilder

Aus irgendwelchen, mir unerfindlichen Gründen ist der „künstlerische“ HDR-Look sehr beliebt. So beliebt, dass man ihn auch häufig bei Bilder anwendet, die vom Tonwertumfang eigentlich unproblematisch sind. Im Weiteren zeige ich beispielhaft, wie man den HDR-Look mit der neuen Entwicklungsengine von Lightroom 4 herstellt (Ein Klick auf die Bilder öffnet sie in Originalgröße).

Das Ausgangsbild

Nicht jedes Bild ist für den HDR-Look geeignet. Potentielle Kandidaten sollten den gesamten Tonwertbereich ausnutzen. Bilder, die nur einen geringen Tonwertumfang haben sind eher nicht geeignet. Bei einem Baum im Nebel wird man schwerlich einen HDR-Look erzeugen.

1. Schritt: Klarheit erhöhen

Hauptmerkmal von Pseudo-HDR-Bildern ist der extrem hohe Kontrast. Also empfiehlt es sich als ersten Schritt die Klarheit zu erhöhen. Damit wird der Mikrokontrast erhöht, also der Kontrast in den feinen Strukturen. Das führt zu dem erhöhten Schärfeeindruck, der typisch für HDR-Bilder ist. Die Tonwerte und damit der Gesamtkontrast, haben sich dadurch aber noch nicht wesentlich verändert, wie man am Histogramm sehen kann.

2. Schritt: Tiefen / Lichter, Weiß / Schwarz

Im nächsten Schritt wird mit den Einstellreglern für Lichter, Tiefen, Weiß und Schwarz rumgespielt. Eine grundsätzlich für alle Bilder optimale Kombination gibt es nicht. Hier gilt es auszuprobieren. Es empfiehlt sich, zunächst die Regler auf Maximalstellungen zu bringen und benachbarte Bereiche, also Schwarz und Tiefen sowie Weiß und Lichter gegenläufig einzustellen. Damit erhöht sich der Kontrasteindruck des Bildes weiter.  Ich fange immer mit Schwarz -100 und Tiefen +100 an und probiere anschließend mit Weiß und Lichter rum, bis ich zufrieden bin. Dabei muss der optimale Bildeindruck nicht unbedingt bei +/- 100 liegen

3. Schritt: Kontrast

Oben habe ich geschrieben, dass sich Pseudo-HDR-Bilder durch ihren hohen Kontrast auszeichnen. Den Kontrastregler haben wir bisher aber noch gar nicht benutzt. Das wird hier jetzt nachgeholt. Der Kontrast wird soweit erhöht, bis der gewünschte Bildeffekt erreicht ist. Bei dem Bild oben habe ich den Kontrast auf 100% hochgezogen.

4. Schritt: Fine Tuning

Nachdem der der grobe Gesamteindruck stimmt, kann man sich ans Fine Tuning begeben. Beispielsweise den Farbeindruck über Dynamik und Sättigung steuern oder die Gesamthelligkeit über die Belichtung. Ich mache das Fine Tuning gerne über die Gradationskurve, da damit Helligkeitsbereiche sehr flexibel gesteuert werden können. So habe ich den Kontrast in den Wolken gezielt erhöht.

Zum Schluss nochmal das Bild Vorher und Nachher :

Vorher - Nachher

Interessant auch ein Blick auf das Histogramm jeweils Vorher und Nachher

Histrogramm des Ursprungsbildes

Histogramm des Bildes nach Bearbeitung

Durch die Bearbeitungsschritte hat sich das Histogramm verändert. Der deutlich gestiegene Kontrast des Bildes zeigt sich den Bergen an den Rändern links und rechts des Histogramms.

Die Beschnittwarnung in Lightroom zeigt, wo in den Lichtern und Tiefen Zeichnung verloren gegangen ist. Da könnte man noch etwas machen, aber bei dem Bild hier stört es mich nicht so sehr.

Doch gar nicht so schlecht für knapp eine Minute Arbeit und lediglich etwas Regler schubsen.

Aber was ist, wenn der Effekt noch stärker werden soll, aber alle Regler sind schon auf 100%? Kein Problem, dafür gibt es noch die lokalen Anpassungen, also Pinsel und Verlaufsfilter.

Weitere Verstärkung des Effekts über den Verlaufsfilter

Hier bietet sich der Verlaufsfilter an. Man muss ihn nur so weit auf das Bild ziehen, dass das Bild vollständig im 100% Bereich liegt und der Verlauf erst hinter dem Bild anfängt. Bei dem Bild oben ist der Verlaufsfilter von links nach rechts gezogen und der senkrechte Strich rechts vom Bild zeigt den beginnenden Verlauf an, der aber keinen Einfluss mehr auf das Bild hat.

Im Verlaufsfilter hat man nochmal die wesentlichen Regler und kann so Kontrast, Klarheit, Lichter und Tiefen über die 100% der Grundeinstellung hinaus bringen. Wenn das immer noch nicht reicht, kann man auch mehrere Filter übereinander stapeln.

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2 Antworten auf Lightroom 4 Beta – Pseudo-HDR- bzw. Hochkontrastbilder

  1. Jens sagt:

    Schöner Artikel in dem du ein Phänomen beschreibst, was mir mit der LR 4 Beta auch schon aufgefallen ist. Habe auf meinem Blog auf ein paar Vergleichsbilder und ebenso einen kleinen Vergleich LR 4 vs. Photomatix.
    Man muss den Effekt ja nicht übertreiben und erhält dann gute natürliche HDR-Aufnahmen.
    Vg, Jens

  2. Moin,

    Danke für die Tipps! Hatte mich bis jetzt nur nie getraut die Regler an den Anschlag zu ziehen!

    LG aus Hamburg
    Ute

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