Canon stellt neue Objektive vor und ich hab was zu meckern

Auch wenn Nikon heute wenig überraschend einen ziemlichen Knaller aus dem Hut gezaubert hat, soll man nicht vergessen, dass Canon auch was angekündigt hat. Vielleicht nicht so spektakulär aber ziemlich interessant.

Während aber für Nikon-Anhänger heute möglicherweise Weihnachten und Geburtstag auf einen Tage gefallen sind, bin ich als Canon-Nutzer etwas ratlos. Es stellt sich mir die Frage, ob es Canon nicht schnell genug geht, sich am ewigen Rivalen Nikon vorbei zu mogeln und sich zielstrebig Platz Zwei bei den digitalen Kameras zu sichern.

Was ist passiert? Heute wurde wenig überraschend der Nachfolger für das etwas betagte EF 2,8 24-70 L vorgestellt. Das neue hört auf den schönen Namen EF 24-70mm f/2,8L II USM. Außerdem wurden, zumindest für mich schon etwas überraschend, zwei Festbrennweiten vorgestellt. Die beiden Objektive haben eine Brennweite von 24 bzw. 28 mm und jeweils die größte Blende 2,8.

Wieder überraschend waren dann die unverbindlichen Preisempfehlungen. Canon glaubt für das Zoom-Objektiv 2.299 Euro verlangen zu können. Das (zugegebenermaßen 15 Jahre alte Vorgängermodell) kostet aktuell bei Amazon ca. 1.100 Euro. Das ist locker mal das Doppelte. Entweder ist das Neue das weltbeste Objektiv oder das Alte war grottenschlecht, aber dann war es aber viel zu teuer.  Irgendwelche andere Sachen, die einen solchen Preissprung rechtfertigen (Diamentenbesatz, Goldrand, Imagestabilisator) sind mir nicht aufgefallen.

Bei den anderen beiden Objektiven geht es heiter weiter. Wenn ich das richtig gesehen habe, sind das seit Jahren die ersten Nicht-L Objektive, die für das Vollformat raus gekommen sind. Zuletzt gab es nur noch EF-S Objektive oder halt L-Objektive. Wir erinnern uns, bei Objektiven ohne das L lässt sich Canon das Stück Spritzgussplastik, die sogenannten Gegenlichtblende, für ca. 30 Euro separat bezahlen und ein Köcher ist ebenfalls Sonderzubehör. Dafür waren sie meist aber preislich etwas günstiger. So, und für diese beiden Objektive werden Preise von 800 (EF 28mm 1:2,8 IS USM) bzw. 830 Euro (EF 24mm 1:2,8 IS USM) aufgerufen. Damit sind sie ebenfalls gut doppelt so teuer wie ihre Vorgänger. Das man dafür jetzt auch IS und einen besseren USM-Autofokus bekommt, lass ich nicht gelten. Immerhin ist das technischer Fortschritt. Mein aktueller Computer ist ja auch nicht 100mal teurer als mein Computer vor 20 Jahren nur weil er 100mal schneller ist. Dazu kommt, dass die Objektive nicht mal besonders lichtstark sind. Wir reden hier von einer Anfangsblende von 2,8 bei Festbrennweiten.

Ärgerlich aber nicht verwunderlich ist der Umstand, dass sich die Preise in US-Dollar und Euro nur in der Währung, nicht im Betrag unterscheiden.  Das der Dollar zurzeit bei 1,30 liegt wird geflissentlich ignoriert.

Ich frage mich, wer bei solchen Preisen die Zielgruppe ist? Ich zum Beispiel hätte ja gerne ein 35mm Equivalent für meine 7D. Da wäre das 24mm Objektiv recht spannend. Aber meine persönliche Schmerzgrenze liegt bei maximal 500 Euro gerne auch ohne IS. Ich bin wirklich gespannt ob es so viele andere Canon-User gibt, die bereit sind, diese Preise zu zahlen. Bei der Preisgestaltung bin ich mal auf die Preise für die zu erwartende EOS 5 D Mark III oder was da auch immer kommt, gespannt.

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