4. Tag Photokina: Was war, was ist, was wird

Heute mit eher nachdenklichen Gedanken zur weiteren Entwicklung der Foto-Industrie. Mit dabei sind u.a. Polaroid, Agfa, Kodak und FujiFilm

Dieses Jahr bin ich schon zum 6. Mal auf der Photokina. Es ist jedes Mal interessant zu sehen, was es neues gibt. Aber es mindestens genauso interessant ist es zu sehen, was es nicht (mehr) gibt. Was sich von Photokina zu Photokina geändert hat.

Zum Beispiel hatten vor 10 Jahren die Filmhersteller die größten und beeindruckensten Stände. Kodak, FujiFilm, Agfa und Polaroid hatten jeweils fast eine ganze Halle belegt. Zwei von den Vieren haben es nicht geschafft. Agfa und Polaroid gibt es zwar noch als Marke, aber das ist nichts mehr als ein Schatten einer einst großen strahlenden Firma. Polaroid wurde einfach überflüssig. Man braucht keinen Sofortfilm mehr, wenn man das Bild sofort auf dem Display sieht. Testbilder um die Lichtsituation einzuschätzen sind für den Profi damit überflüssig geworden. Und kleine tragbare Drucker sorgen für den Hobbiesten vor Ort für den Ausdruck in Echtzeit. Am Ende blieben nur noch die Künstler als treue Abnehmer und die haben nicht genug abgenommen, als dass es sich gelohnt hätte.

Warum es Agfa nicht geschafft hat? Keine Ahnung. Auch wenn man nur noch ein Bruchteil der Filme verkauft, ausbelichtet wird mehr als früher. Aber vielleicht kann man mit Minilabs doch nicht genug Geld verdienen.

Agfastand Teil I

Agfastand Teil I

Agfastand Teil II

Agfastand Teil II

Und meines Wissens steht Kodak auch nicht mehr so gut da, wie noch vor 10 Jahren. Der Versuch von Kodak, bei den Digitalkameras mitzumischen hat sich auch als nicht tragfähig herausgestellt. Wer weiß denn heute noch, dass die ersten professionellen digitalen Spiegelreflexkameras von Kodak kamen? Seinerzeit hat Kodak die Profigehäuse von Canon und Nikon genommen, aufgeschnitten und mit einem Digitalmodul ergänzt. Für das Geld, das diese Dinger kosteten, haben andere sich ein Auto gekauft. Und auch aus dem Consumerbereich hat sich Kodak bei den Digitalkameras inzwischen verabschiedet. Meines Wissens entwickelt und verkauft Kodak aber noch Bildsensoren für andere Hersteller.

So hat die digitale Fotografie die analoge Fotografie abgelöst. Wer die Ressourcen und den Mut hatte und auf Digital setzte, konnte sich in die neue Zeit hinüber retten. Ja, digitale Fotografie hat der Fotobranche einen ungeahnten Boom beschert. Vor 10 Jahren hat mein VWL-Prof Canon noch als Büromaschinenhersteller mit angehängter Fotoabteilung bezeichnet. Dank digitaler Fotografie konnte Canon sich zu einem Imageing-Konzern entwickeln der alles rund ums Bild anbietet. Ebenso Nikon, Olympus, Pentax, alles alte Traditionsnamen der Fotografie. Ohne jetzt die Geschäftszahlen im einzelnen zu kennen würde ich sagen, dass diese Firmen erfolgreich im digitalen Zeitalter angekommen sind. Andere, wie Minolta und Contax haben es nicht geschafft. Und Leica? Nun ja, man muss sehen.

Aber, auch das wird deutlich, die Zeit des großen Wachstums ist vorbei. Solange eine Technik neu ist und der Markt schnell wächst ist Platz für alle Anbieter. Aber wenn das Wachstum schwächer wird und trotzdem immer mehr Unternehmen auf dem Markt drängen, dann wird es schwierig. Das eine Marktsättigung langsam erreicht ist, sieht man an den Verkaufszahlen. Nach Stückzahlen werden in 2008 vorraussichtlich 4% mehr Digitalkameras verkauft als im Vorjahr, nach Umsatz wurde nur das Vorjahresniveau erreicht.

Vor diesem Hintergrund erscheinen mir die technischen Entwicklungen in den letzten zwei Jahren wie schiere Panik. Face-Detection, Smile-Detection, Blink-Detection und 15 Megapixel auf winzigen Sensoren kann ich mir nur damit erklären, dass den Verkäufern die Muffe geht, dass bald keine Digitalkameras mehr verkauft werden.

Dummerweise kann man sich mit solchen technischen Innovationen nicht mehr von der Konkurrenz absetzten, weil es jeder macht. Selbst die billigen Kameras können das. General Electric habe ich persönlich bisher nicht als Hersteller von Kameras wahrgenommen. Auf der Photokina haben die in diesem Jahr einen Riesenstand, wo preisgünstige Kameras beworben werden. Das Spitzenmodell hat 10 MP, HD-Video, tausend verschiedene Detections und das ganze für ca. 200 Euro. Keine Ahnung ob die Kamera bei der Bildqualität top ist, wahrscheinlich eher nicht. Aber dass sind die anderen auch nicht, weil das einfach nicht geht bei einem winzigen 10 MP-Chip. Ist aber auch egal, weil der durchschnittliche Kunde seine Bilder sowie somit 10 mal 18 ausbelichten lässt. Da sieht man sowieso keinen Unterschied zwischen 3 und 10 Megapixel.

Die fetten Jahre sind vorbei. Das mit den Megapixeln wird sich auch über kurz oder lang rumsprechen. Olympus fängt schonmal vorsichtig an und bringt eine Broschüre mit, in der sie von guten und schlechten Pixeln sprechen und dass man eigentlich gar nicht soviele Pixel braucht und dass die Olympus E420 mit den 10 Megapixeln schon mehr Pixel hat, als sie eigentlich braucht und dass man die 10 Megapixel der E420 nicht mit 10 Megapixel in einer Kompaktkamera vergleichen kann. Alles richtig, aber man muss es mühsam erklären. Die 15 Megapixel in der Kompaktkamera muss man nicht erklären, die verkaufen sich (noch) so.

Aber wo liegt denn dann die Zukunft? Im Print! Vor vier Jahren habe ich auf der Photokina etwas Neues gesehen. Einen kleinen Stand, der etwas richtig spannendes hatte. Wenn man die Fotos sowieso schon alle digital auf dem Rechner hat, warum soll man dann alle einzeln belichten lassen und anschließend in ins Album kleben? Warum nicht gleich alles als Buch ausgeben lassen? Da habe ich zum ersten mal ein Fotobuch gesehen. Heute gibt es bestimmt ein Dutzend verschiedene Anbieter, jeder mit seiner eigenen Software und mit seiner eigenen Lösung. Der Stand von Cewe ist fast so groß wie fürher die Stände von Agfa und Polaroid.

Hier ist das Potential. Wenn immer mehr fotografiert wird, dann kann auch immer mehr ausgedruckt, belichtet und weiß der Henker was werden. Man muss die Leute nur dazu bringen ihre bildnerischen Schätze aus dem virtuellen Schuhkarton zu holen. Ich muss sagen, dass war für mich der spannendste Teil der Photokina. Mal in Echt zu sehen, wie es aussieht, wenn ein Bild auf Leinwand oder als Alu-Dibond oder hinter Glas gedruckt wird.

Verschiedene Arten der Bildpräsentation

Druck auf Leinwand

Druck auf Leinwand

Was man sonst noch alles mit Bildern machen kann.

Was man sonst noch alles mit Bildern machen kann.

Alles ist möglich, auch der Duschvorhang

Alles ist möglich, auch der Duschvorhang

Nach dem ich jetzt weiß wie geil das aussieht, werde ich mir demnächst auch mal sowas bestellen. Wie gut, dass man fast an jedem Stand Rabattgutscheine abgreifen konnte 😉 Noch etwas für dass die Photokina gut ist.

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