Einfach mal die Fresse halten – Der Bayerische Philologenverband äußert sich zu Killerspielen

Ich glaube, das ist damals [nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland] falsch verstanden worden mit der Demokratie: Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss nicht. ’s wär ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht. Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“ (Dieter Nuhr)

Tja, die Diskussion um Killerspiele schlägt mal wieder hohe Wellen. In Bayern ist Wahlkampf und da muss man sich mit Themen positionieren, die an Stammtischen gut ankommen und möglichst wenige der eigenen Wähler verschrecken. Die Verrohung der Jugend ist so ein Thema. Und vor allem, wo man da einen schönen Schuldigen hat. Nicht die fehlende Perspektiven, schlechte Schulbildung, mangelhafte Förderung zusammen einer desolaten wirtschaftlichen Lage von vielen Familien ist daran schuld. Nein es sind die Killerspiele und die gehören Verboten. Und offensichtlich fühlen sich viele Gutmenschen berufen, in das gleiche Horn zu stoßen, unabhängig davon, ob man sich mit dem Sachverhalt auskennt. So auch der bayerische Philologenverband, der sich in einer Pressemitteilung (Orgninalversion siehe unten) zu dem Thema äußert.

Die Pressemitteilung offenbart die ganze Unkenntnis, mit der die beteiligten Gruppen die Diskussion führen. Am deutlichsten zeigt sich dieses daran, dass man auf das besonders brutale Killerspiel World of Warcraft hinweist. Darauf, dass es sich bei dem Spiel in keinsterweise um ein Killerspiel handelt, musste der Verband erst von anderer Seite hingewiesen werden. Also nahm man den betreffenen Absatz still und leise aus der Pressemitteilung. Aber in Zeiten des Internets kann man nicht mehr heimlich etwas zurücknehmen, was man einmal gesagt hat. Google-Cache sei Dank. So sah man sich später genötigt, die Pressemitteilung mit einen Hinweis auf den Fehler und die Korrektur zu versehen.

Dummerweise ist die Pressemitteilung aber immer noch nicht schlüssig. Denn das, was die Philologen in erster Linie anprangern, ist der exzessive Umgang mit dem Computer. Hier vor allem zu lange Spielzeiten bei Online-Spielen. Auch wird eine Studie erwähnt nach, wonach 11% der Jugendlichen Spielsüchtig seien. Dies alles kann man nun mit viel gutem Willen World of Warcraft beziehen, ist aber eine vollkommen andere Baustelle als gewalttätige Killerspielen. Das wäre so, als ob man das Rauchen verbieten würde weil zuviele Jugendliche Alkohol trinken. Apropos Zigaretten und Alkohol, zwei Sachen vor dem Kinder und Jugendliche (zurecht) geschützt werden müssen. Diesbezüglich habe ich allerdings von den bayrischen Stammtischen noch keine Verbotsforderungen gehört.

Natürlich ist es nicht wünschenswert, dass Kinder nur vor dem Computer hängen und spielen. Insbesondere wenn sie dadurch Schule und Umfeld vernachlässigen. Aber dies ist in erster Linie Aufgabe der Eltern. Hier muss die notwendige Sensibilisierung geschaffen werden.  Sonst muss man demnächst alles verbieten, dass in irgendeiner Weise schädlich sein könnte.

Übrigens: Lustige Anektdote am zum Schluss. Als man zuspät gemerkt hat, dass man mit WoW einen Bock geschossen hat und man anschließend gemerkt hat, dass man es nicht unauffällig unter den Tisch fallen lassen kann, wurde zunächst folgende Erläuterung vor den Text gesetzt:

„In der Pressemiteilung vom 09.09.2008 ist uns ein Fehler unterlaufen: „World of Warcraft“ ist natürlich kein Beispiel eines für  besondere Brutalität bekannten Spiels und nicht vergleichbar mit Ego-Shootern wie etwa „Counterstrike“ oder „Manhunt“.  – Danke für die zugesandten Hinweise auf dieses Versehen! –“
(Hervorhebung von mir)

Hier zeigt sich wieder die geballte Kompetenz, die hinter der Verband steht. Manhunt ist gar kein Ego-Shooter. Nachdem man auch dies mitgeteilt bekommen hat, wurde der Einleitungstext nochmals angepasst.

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