Photokina 2012: der 1. Tag – Hands on Canon EOS 6D

Photokina 2012. Wie auch in den Vorjahren werde ich in den nächsten Tagen hier über meine Messeeindrücke bloggen. Heute entsprechend meiner ganz persönlichen Interessenlage etwas Canon EOS 6D lastig.

Einen Tag nachdem Canon die EOS 6D angekündigt hat, gab es bereits die Gelegenheit, die EOS 6D in die Hand zu nehmen. Und hier ist mein erster Eindruck. Keine Aussage zu der Bildqualität, zu den technischen Daten oder sonst was. Nur in die Hand genommen und durch den Sucher geschaut:

Der erste Eindruck: Eine EOS 60D ohne Motivprogramme und mit dem lausigen Autofokusmodul der EOS 5D Mk II. Für 2.000 Euro.

Canon EOS 6D

Canon EOS 6D

Dass Canon bei der 6D irgendwo den Rot-Stift ansetzen musste, war klar. Schließlich muss ja der Abstand zur 1.000 Euro teureren EOS 5D MK III gewahrt bleiben. Aber dass man dabei so weit hinter die EOS 7D zurücktritt hat mich überrascht.

Wir erinnern uns: Nach der Einführung der 7D wurde die bisherige EOS x0D-Reihe, die sich an gehobene Amateure wendet, abgewertet. Die 60D war sowas wie eine Super-600D. Das ganze Look-and-Feel wurdes geändert. Und dieses neue Look-and-Feel wurde nun von der 60D 1zu1 auf die EOS 6D übertragen.

Im Einzelnen: Auf der Rückseite fehlt der enorm praktische kleine Joystick, stattdessen hat man ein Steuerkreuz in das rückseitige Drehrad eingebaut. Die Tastenreihe rechts neben dem Display bei der 5D MKII, 5D MKIII und der 7D ist weggefallen. Mag das bei der 60D noch dem Gelenk für das Klappdisplay geschuldet sein, bei der 6D wäre mangels Klappdisplay genug Platz. Auch sonst orientiert sich die Rückseite deutlich an der 60D. Ebenso die Oberseite. Statt den 3 doppelt belegten Tasten der 5DMKII/III 7D gibt es  hier die 4 einfach belegten Tasten der 60D. Damit fällt der Schnellzugriff auf den Weißabgleich und die Blitzbelichtungskorrektur weg. Auch gibt es keinen Multifunktionknopf neben dem Auslöser, den ich bei meiner 7D mit der enorm praktischen elektronischen Wasserwager im Sucher belegt habe.

Apropos Sucher. Wenn man da durchsieht, wird es ganz grausam. Jetzt nicht der Sucher an sich. Schön groß, wie es sich für eine Vollformatkamera gehört. Aber wenn man auf die Autofokusmessfelder schaut, erinnert das sehr an die 5DMKII. Und da war der Autofokus ja bekanntermaßen schlecht. 11 Autofokus-Messfelder knubbeln sich auf einer kleinen Fläche in der Suchermitte. Dass die Kamera nun nicht das beeindruckende Autofokusmodul der 5DMKIII haben wird, war klar. Irgendwomit muss die Preisdifferenz von 1.000 Euro ja gerechtfertigt werden. Aber dass man so weit hinter der EOS 7D (die mit immerhin 19 Autofokusfelder einen relativ großen Bildbereich abdeckt) zurück bleibt, hat mich überrascht. Dass die Kamera auch die nette LCD-Mattscheibe der 7D mit einblendbarem Gitternetz und elektronischer Wasserwaage nicht hat, muss fast nicht extra erwähnt werden. Da kann man dann nur hoffen, dass man die Mattscheibe der EOS 6D wenigstens später gegen eine Gitternetzmattscheibe wechseln kann.

Auf der Habenseite steht dann das GPS-Modul und das WiFi-Modul, die man bisher extra kaufen musste. Das ist schön. Dafür fehlt aber der integrierte Blitz (ich kann mir denken, wo in der Kamera GPS und WiFi verbaut sind), der bei der 7D sehr praktisch als Master für entfesselte Speedlites genutzt werden konnte.

HDR, Mehrfachbelichtung und ähnliches ist für mich unnütze Spielerei. Alles was über das Schreiben der Raw-Datei auf die Speicherkarte hinausgeht mache ich am PC.

Mein subjetives Fazit des ersten Kontakts: Bei der 6D handelt es sich wirklich um eine Einsteiger-Vollformatkamera. Um den Abstand zur 5D MK III zu wahren wurde radikal der Rotstift angesetzt und die Kamera auf das Niveau der 60D zurück gestützt. Dafür finde ich den Preis mit 2.000 Euro zu hoch. Wenn man nicht unbedingt Vollformat braucht, bleibt die deutlich billigere EOS 7D die flexiblere und leistungsfähigere Alternative. Auch wer die 6D parallel zu einer 5DMKII/III oder 7D nutzen will, wird sich schwerer tun, da mit dem bisher einheitlichen Bedienkonzept gebrochen wurde.

Wer Vollformat unbedingt braucht und nicht bereit ist, die 1.000 Euro Aufpreis zur 5DMKIII zahlen, dem bleibt nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen. Morgen gehe ich mal zu Nikon, schaue mir die 600D genauer an und rechne mal durch, was mich ein Systemwechsel kosten würde.

Steve Thornton

Steve Thornton

Ansonsten habe ich noch nicht viel von der Photokina gesehen, da ich das Glück hatte, nachmittags in einem Workshop von Krolop und Gerst reinzurutschen. Referent war der großartige Steve Thornton, der drei lehrreiche und unterhaltsame Stunden geboten hat.

Morgen werde ich dann mal schauen, was sonst noch interessantes auf der Photokina zu sehen ist.

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