Photokina 2012: der 3. Tag – Die janze Welt ist eene Wolke.

Gestern habe ich die liegen gebliebenen Trends von der letzten Photokina aufgearbeitet. Aber was sind die neuen Trends?

Zu allererst: Geld spielt keine Rolle. Wenn der Massenmarkt zukünftig von den Handy-Herstellen bedient wird, müssen sich die traditionellen Hersteller in der Nische der hochwertigen, technisch wie optisch execelenten Kameras breit machen. Da sind die Margen auch höher und möglicherweise gibt es genug Leute, die auch bereit das zu bezahlen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass z.B. die neue 5D mal locker 900 Euro gegen über dem Vorgänger teurer ist, die Preise für die Nachfolger von bestimmten Objektiven knapp verdoppelt und eine Vollformatkamera mit Einsteigeranmutung für 2.000 Euro anbietet. In die gleiche Kerbe schlägt Sony, die mit der DSC-RX1 eine Kompaktkamera mit einen Vollformatsensor und einer 35mm Festbrennweite mit Blende 2,0 anbietet. Der Sensor dürfte der Selbe sein, den Nikon und Sony in ihren Vollformat-DSLRs verbauen. Ohne Bilder gesehen zu haben, gehe ich davon aus, dass gemachten Fotos brillant sein werden. Der Preis: schlanke 3.000 Euro.

Sony DSC - RX 1

Die Vollformat-„Kompakte“ von Sony von vorne …

Sony DSC - RX 1

… und von der Seite. Hätte man gleich mit Wechselobjektiv machen können.

In die selbe Kerbe schlägt Sigma, die ihre Kompakten APS-C-Kameras mit dem aktuellen Foveon-Sensor ausgestattet haben und die dafür nun gerne ca. 1.000 Euro hätten. Ebenso Fuji wo die Preise für die X-E1, die X100 und die X-Pro1 ja auch erst bei ca. 1.000 Euro anfangen.

Fuji X-E1

Die Fuji X-E1, die „billige“ der beiden Evil-Kameras von Fuji. Auf den Hybrid-Sucher wird verzichtet.

Ich frage mich wirklich, ob die Nische wirklich breit genug ist für alle Anbieter, die nun darein drängen. Ich habe so meine Zweifel. Besonders gespannt bin ich, ob wir in zwei Jahren noch was von der Hasselblad Lunar hören.

Zweiter Trend: Action-Kameras. Jede Firma, die sich nicht zutraut, in dem Premiumsegment mitzumischen, bietet Action-Kameras an. Wahrscheinlich bekommt man diese kleinen Videokameras, die man sich an Helm, Lenker oder sonst wo hinsteckt,  in China billig in großen Stückzahlen. Eigenes Label drauf und fertig ist die Laube. Selbst Minnox bietet inzwischen welche an. Ich muss ja zugeben, auch ich habe kurz damit geliebäugelt. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich weder Motorrad noch Fahrrad fahre, kein Bungee-Jumping und kein Fallschirmspringen mache und dass beim spaziergehen ein Helm albern aussieht. Ich denke, dass wir auch in Zukunft noch viel von diesem Kameras sehen werden, schließlich will sich ja jeder, der etwas Spektakuläres macht auch spektakulär in Szene setzen.

Action-Cam

Hier die Action-Cam von Minox. Die anderen sehen genau so aus. Oder anders, jedenfalls kann man sie sich an den Helm stecken. Oder woanders hin.

Dritter Trend: Die Cloud. Bilder mittels Wifi direkt aufs Smartphone und dann auf Facebook. Am konsequentesten umgesetzt mit der Samsung Galaxy Kamera. Aber selbst der nette Mitarbeiter von Pentax, der sich 10 minuten Zeit gegeben hat mir zu erklären, warum die Q10 eine tolle Kamera ist, hat darauf hingewiesen, dass die Q10 ja über Eye-Fi-Karten auch direkt ins Netz funken kann. Und natürlich gibt es auch Action-Cams mit eingebauten Wifi, die dann zum Beispiel das Smartphone als Monitor nutzen.

Aber auch die die Fotoverwaltung, Bearbeitung und Archivierung soll demnächst in die Datenwolke. Canon hat derzeit unter http://www.project1709.com/ einen neuen Dienst in der Betaphase, der eine Art Lightroom in der Cloud ist. Zumindest was die Datenbankfunktionalität betrifft. Raw-Daten kann er zwar auch lesen und speichern, hält sich aber bei der Entwicklung an die Kameravorgaben (wahrscheinlich liest der Dienst das eingebettete Vorschaubild aus).

Meine Frage, wie ich meine 2TB an Raw-Daten in die Cloud bekomme konnte mir der nette Herr von Canon nicht schlüssig beantworten. Aber zumindest versicherte er mir, dass meine Daten sicher sind. Sie würden parallel in drei Rechenzentren in Europa abgelegt und würden auch Europa nicht verlassen. Als Dienstleister für das Hosting tritt übrigens Microsoft auf (da war doch was mit Microsoft und Fotos in der Cloud). Grundsätzlich muss sich jeder überlegen, inwieweit er der Cloud private Daten anvertraut. Ich habe mich jedenfalls mal für den Betatest angemeldet und werde morgen mal ein paar Aktbilder, die ich heute gemacht habe, hochladen. Schauen wir mal, ob sie mich rausschmeißen. Preise und Startdatum gibt es noch nicht.

Apropos Aktbilder. Zum Schluss noch etwas mit einem echten Mehrwert. In diesem Jahr gibt es wieder eine große Bühne auf der ein bekannter Fotograf Liveshootings macht. Diesmal ist es Manfred Baumann, der normalerweise Prominente und nackte Frauen fotografiert. Anscheinend wollten keine Prominenten zur Photokina. Egal. Er hat jeweils zwei Workshops pro Tag, je nachdem Faces, sexy Pin-Up oder Fine Nude Photography (Freitag gibt’s nur Faces).

Modell

Letzte Vorbereitungen vor dem Fotoshooting. Das Model wird geschminkt und dann geht es los.

Bei jedem Workshop dürfen 15 Interessierte zu ihm auf die Bühne und mit seinem Licht fotografieren. Man bekommt einen Funkauslöser und hat dann jeweils ein paar Minuten das Modell für sich alleine. Die ersten 15, die sich morgens melden, bekommen die Karten für die Workshops. Alle anderen dürfen zwar auch fotografieren, müssen aber vom Rand der Bühne ihre Bilder machen und sich um die guten Plätze prügeln. Wenig überraschend, sind die Karten sofort weg. Um doch noch eine Karte zu bekommen, muss man folgendes tun: Früh da sein. Mindestens um eine halbe Stunde vor Öffnung der Messe muss man zum Eingang Nord kommen, damit man einen Platz direkt an dem Drehkreuz bekommt. Wenn man nicht ganz vorne steht, keine Chance. Der Eingang Süd, direkt am Bahnhof, ist zuweit weg. Eingang Ost könnte vielleicht auch funktionieren, da kenn ich aber den Weg nicht. Wenn die Messe um 10 Uhr öffnet, werden wahrscheinlich zwei Österreicher, die neben dir gestanden haben, losrennen. Dennen rennst Du hinterher. Wenn die beiden Österreicher nicht da sind, irgendjemand anderes hinterher rennen. Ziel ist die Halle 9 und dort bis zum Ende. Da ist eine recht große Bühne aufgebaut und es gibt einen Infostand, wo jemand Karten verteilt. Mit dieser Taktik bekam ich heute Karte Nummer 11 von 15. Samstag wird es voller.

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