Photokina Nachschau: Das Rahmenprogramm

Heute mit vielen, vielen Bildern

Neben den ganzen technischen Neuigkeiten kommt bei der Berichterstattung über die Weltmesse des Bildes meistens ein Punkt zu kurz: Das DamenRahmenprogramm.

Wahrscheinlich gibt es, abgesehen von Modemessen, wenige Gelegenheiten bei denen mehr Modells auf so engen Raum versammelt sind.  Schließlich will man den interessierten Besuchern ja auch etwas zum Fotografieren geben. Unterstellt man das der gemeine Fotoamateuer (bzw. Fachbesucher) männlich ist, ist dass auch nur Zielgruppen gerecht. Es war schon interessant als ich mich einmal morgens recht früh in die hinteren Hallen verirrte. In der ganzen Halle war nix los, nur an einer Stelle hatte sich eine grosse Traube von Interessierten gebildet. Und was war es, was die Massen faszinierte? Die neuste Kameratechnik, aktuelle Entwicklungen vom Softwaremarkt, neues Zubehör, dass bald jeder haben muss? Nein, ein Fotoshooting mit zwei echten Playboy-Bunnies.

Dieses sexistische Foto dient ausschließlich dazu, den Leser zum Weiterlesen zu animieren

Dieses sexistische Foto dient ausschließlich dazu, den Leser zum weiterlesen zu animieren

Von den unzähligen Menschen mit Fotoapparaten, die sich um die Bunnies gescharrt hatten, dürfte nur ein einziger gutes Licht und gute Fotos bekommen haben. Der Fotograf auf der Bühne mit dem Fernauslöser für die Biltzanlage. Aber egal, auf das Motiv kommt es an. Das Fotoshooting selbst war reichlich unspektakulär. Um dem Fotografen bei der Arbeit zuzusehen wäre bestimmt niemand gekommen.

Später habe ich die Bunnies noch auf einem anderen Stand gesehen. Bei FotoTV wurde gezeigt, wie man mit einem Ringblitz im Studio arbeitet. Das hätte ich mir auch angesehen, wenn statt der Bunnies Kaptain Iglo fotografiert worden wäre. Aber man kann auch mal Glück haben und dann passt Inhalt und Präsentation.

Michael Quack und der Ringblitz

Michael Quack mit dem Ringblitz ...

und dem Motiv

... und dem Motiv

Ansonsten bewegte sich das Bühnenprogram im Rahmen des erwarteten. Wieder viele Bühnen, auf denen Fotografen erzählt und gezeigt haben, wie toll man mit den neuen Kameras, Objektiven und was auch immer nun fotografieren kann.

Aufgrund der vewendeten Brennweite habe ich Fotograf und Modell nicht zusammen auf das Bildbekommen. Hab mich für den Fotograf mit Canon-Kamera entschieden. Bei Nikon wäre die Wahl anders ausgegangen.

Aufgrund der vewendeten Brennweite habe ich Fotograf und Modell nicht zusammen auf das Bild bekommen. Hab mich für den Fotograf mit Canon-Kamera entschieden. Bei Nikon wäre die Wahl wohl anders ausgegangen.

Bei Panasonic präsentierte man die neue Lumix G1 mit einer peppigen Gesangsnummer begleitet von ein paar Hupfdohlen einer Tanzgruppe. Einmal nett anzusehen, aber das wars dann auch.

Vorsicht glatt

Bei Panasonic bewegt man sich offensichtlich auf einem glatten Parkett.

Wo es mich dann deutlich öfter hingezogen hat, war der Stand von Sigma. Deren Bühne strahlte eher schlichte Eleganz aus. Auf einer weißen Bühne zeigten 5 Absolventen der Musikhochschule Köln Bereich Tanz insgesamt 5 verschiedene Tanz-Shows. Damit zeigte Sigma, wie man relativ bescheidenen Mitteln eine gute Show machen konnte. War für mich eines der Messehighlights

Tolle Tanzshow auf der Sigma-Bühne

Tolle Tanzshow auf der Sigma-Bühne

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bühnen hatte man hier auch genug Licht, um bei vertretbaren ISO-Zahlen (bei mir ISO400) noch akzeptable Zeiten zu kriegen. Eine gewisse Leidenfähigkeit war jedoch bei der Anmoderation gefragt. Zum Beispiel, wenn man zum vierten Mal hört, wie der Moderator überschwänglich den „Starfotografen“ begrüßt und seiner Freude über das Erscheinen desselbigen  Ausdruck verleiht (mit dem er gerade 1,5 Stunden vorher eine Show gemacht hat). Ebenso tut es schon etwas weh, wenn man zum wiederholten Male vom Moderator hört, dass der Fotograf natürlich im RAW-Modus fotografiert, weil dass die beste Bildqualität ergibt, dass aber die Bilder im Rahmen des Workflows zur Weiterbearbeitung als erstes nach JPEG konvertiert würden, weil sie sonst zu groß wären. Offensichtlich hat sich der Moderator trotz vieljähriger Arbeit auf der Photokina noch nicht zu einem Fotoexperten entwickelt.

Trotzdem Daumen hoch für Sigma. Nicht zu letzt, weil ich gemerkt habe, dass mein altes Sigma 70-200 2,8, welches ich nach langer Zeit mal wieder rausgekramt hatte, auch an meiner digitalen SLR noch immer eine sehr gute Figur macht. Sorry Guys, aber noch könnt ihr mir kein neues Objektiv verkaufen.

Besonders spannend auf der Photokina sind für mich immer jene Präsentationen, die auch ein bisschen etwas von einem Workshop hatten. Wenn man zum Beispiel einem Photoshop-Guru über die Schulter gucken konnte. Adobe selbst schwächelte dieses Jahr ein bisschen, weil man die gesamte Zeit damit beschäftigt war, die neue Creative Suite CS 4 zu präsentieren. War zwar auch interessant,  aber der letzte Kick fehlte. Zum Glück konnte man sich auf die benachbarten Kollegen von WACOM verlassen. Die hatten wieder Robin Preston gebucht.

Robin Preston am WACOM-Stand

Robin Preston am WACOM-Stand

Robin Preston ist Brite und hat lange Jahre im Ruhrgebiet gelebt. Er hält seine Vorträge auf deutsch mit ausgeprägten englischen Akzent. Wenn ich ihm zuhöre, weiß ich nie, ob ich meinen Mund vor Staunen offenstehen lassen oder ihn zu einem breiten Grinsen verziehen soll. Er ist definitiv einer der ganz Großen mit Photoshop und dabei super witzig. Wer die Chance hat, ihn mal live zu sehen, sollte unbedingt hin gehen.

Der Meister bei der Arbeit

Der Meister bei der Arbeit

Glück hatte ich noch am Stand von FotoTv.de. Das in zweifacher Hinsicht: Zum einen habe ich einen interessanten Vortrag über die Umwandlung von einem Farbportrait in ein eindrucksvolles Schwarzweiß-Bild gesehen. Und zum anderen lief anschließend ein Video über Fotografieren mit einer Ringleuchte. Damit hab ich auch schon mein Weihnachtsgeschenk für mich.

Die Firmen, zu denen nicht von selbst genug Besucher an den Stand kamen, mussten mit mobilen Einsatzgruppen nachhelfen und Interesse wecken. Am lautesten dürfte dabei EIZO gewesen sein, die für ihre kalibrierten Monitore extra eine eigene Demo organisierten.

Minox schickte zwei Schönheiten über die Messe, die das Motto Spione thematisieren sollten

und auch Ansmann versuchte mit auffälligen Grazien die Blicke auf sich zu ziehen.

Irgendwie nett fand ich den (mutmaßlichen) Vater, der mit seinen drei (mutmaßlichen) Kindern Werbung für xlider, einer Mischung aus einem durchgebrochenen Skateboard und Möbelrollen, machte.

Anmerken möchte ich noch, dass die drallen Blondinen in den offenherzigen Kleidern, die an manchen Ständen Kameras und Drucker präsentierten, offensichtlich nicht aufgrund ihrer profunden Produktkenntnisse ausgesucht wurden.

Zum Abschluss, und natürlich viel zu kurz, möchte ich noch kurz auf die tollen und beeindruckenden Ausstellungen eingehen, die auf der Photokina gezeigt wurden. Alleine dafür hätte sich der Eintritt gelohnt. Und dass Beste, man hätte nichtmal eine Eintrittskarte für die Photokina gebraucht, um die  visualgallery in der Halle eins zu besuchen. Dort fand fand ich besonders beeindruckend die Thomas Hoepker Retrospektive sowie die Ausstellung mit den restaurierten Fotos aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Beides auf ihre Weise eindrucksvolle Zeitdokumente. Aber auch die anderen Ausstellungen in der visualgallery sowie überall auf der Photokina waren sehenswert.

So dass wars, mein ganz subjektiver Messerundgang. Und in zwei Jahren gehts weiter:

Dieser Beitrag wurde unter Fototechnik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.