Quo Vadis, Bachus? EOS 7D oder EOS 5D oder ganz was anderes oder nix

(Eine subjektive Bewertung der neuen EOS 7D vor dem Hintergrund meiner Erwartungen an eine Kamera)

Nachdem meine alte EOS 40D nun ca. 2 Jahre und etwa 30.000 Auslösungen auf dem Buckel hat, überlege ich in der letzten Zeit immer häufiger, ob ich nicht kameratechnisch ein Upgrade ins Auge fassen soll. Doch wohin soll die Reise gehen? In dem Dreiecksverhältnis aus meinen persönlichen Vorstellungen, meiner Preisbereitschaft und dem Produktangebot von Canon habe ich meine endgültigen Koordinaten noch nicht gefunden.

EOS 7D FRONT

(Photo: Canon)

Was will ich?

Grundsätzlich bin ich mit dem Ansatz der EOS 40D ja nicht unzufrieden. Sie ist ausreichend flott unterwegs, die Bedienung ist intuitiv und gut, nur bei der Bildqualität könnte es ein bißchen besser sein. Zum einen hätte ich gerne eine höhere Auflösung, so daß man auch DIN A3 ausdrucken kann, ohne die Bilddaten mit Hochskalieren zu vergewaltigen. Zum anderen habe ich den Eindruck, daß, abhängig von Objektiv und Entfernung, Hintergrunddetails häufig matschiger sind als sie sein dürften.

Derzeit hätte damit Canon theoretisch zwei Kameras im Sortiment, die in die engere Wahl kämen. Die EOS 5D und die EOS 7D. Bei beiden Kameras käme dann noch zumindest ein Objektiv dazu, da ich im Standardbereich für die Vollformatkamera 5D gar kein Objektiv hätte und mein EF-S 18-85 1:4-5,6 IS USM (das Kit-Objektiv der EOS 40D halt) für die 7D wahrscheinlich nicht die notwendige Qualität mit bringt.

Eigentlich scheidet die EOS 5D auch aus. Von der Bildqualität ist sie wahrscheinlich derzeit das obere Ende dessen, was mit DSLR unterhalb des Mitteformats machbar ist, aber Preisaufrufe von € 3.200 (mit EF 24-105 1:4L IS USM) bzw. €3.500 (mit EF 24-70 1:2,8 USM) lassen mich dann doch zweimal schlucken.

Außerdem ist die EOS 5D eher als Spezialist für das Studio ausgelegt. Die Bildwiederholfrequenz von 3,9 Bildern pro Sekunde und das antiquierte Autofokusmodul, daß sowieso nur einen winzigen Bereich des Bildes abgedeckt, prädestinieren die Kamera nicht gerade für die Action-Fotografie. Nun benutzte ich meine EOS 40D nur selten im Serienbildmodus und stelle meist auch keine hohen Anforderungen an den Autofokus bei der Verfolgung von bewegten Zielen, aber hin- und wieder dann doch. Und dann wäre die EOS 5D halt ein Totalausfall.

Damit wäre eigentlich die neue EOS 7D die Kamera der Wahl. Zumindest nach der Papierform ist sie eine hochinteressante Kamera. Mit einer Auflösung von knapp 18 Megapixeln sind Ausdrucke von DIN A4 bei 300 DPI problemlos möglich. Mit 8 Bildern pro Sekunde im Serienmodus ist sie ziemlich schnell und das neue Autofokussystem soll, auch wenn es nicht an die EOS 1D Mark III heranreicht, durchaus nicht von schlechten Eltern sein. Dazu kommen noch ein paar neue Features, die sich sehr interessant anhören, wie dem 100% 1:1-Sucher mit dem durchsichtigen LCD-Display für zusätzliche Informationen wie Gitternetzlinie und elektronische Wasserwaage. Preislich liegt die Kamera auch in verträglicheren Sphären, mit dem neuen EF-S 15-85 1:3,5-5,6 IS USM bei ca. € 2.300 oder alternativ mit dem EF-S 17-55 1:2,8 IS USM, was auch noch in Frage käme, bei ca. € 2.500. Damit wäre eine Kamera-Objektivkombination etwa € 800 bis € 1.000 billiger als bei der EOS 5D Mark II.

Also was gibt es da zu überlegen? Annährend gleiche Auflösung (18 zu 21 Megapixel sind kein großer Schritt mehr), schneller, moderner und dann auch noch deutlich billiger – die EOS 5D kann einpacken, die 7D ist die Kamera der Zukunft.

Oder doch nicht? Irgendwie habe ich das Gefühl, daß Canon mit der EOS 7D an einigen Stellen die Grenzen des technisch machbaren bzw. sinnvollen langsam überschritten hat.

So gibt es offensichtlich Probleme bei dem Auslesen des Bildsensors bei voller Serienbildgeschwindigkeit. So kann es unter bestimmten Voraussetzungen zu Geisterbildern kommen (Link siehe hier). Derzeit arbeitet Canon noch an einer Lösung.

Mit 18 Megapixel auf einem APS-C Sensor hat die die Kamera aktuell die höchste Pixeldichte bei Spiegelreflexkameras. Dies stellt natürlich höchste Ansprüche an Bildsensor und Objektiv. Schließlich will man ja nicht nur größere Bilddateien, sondern auch eine bessere Bildqualität.

Bisher habe ich in den einschlägigen Zeitschriften noch keine Tests mit der finalen Version der EOS 7D gelesen. Alle Tests, soweit sie mir unter gekommen sind, basieren auf dem Vorserienmodell. Insgesamt waren die Tester aber wohl doch recht angetan von der Kamera. Aber richtig durchgetestet wurde die EOS 7D noch nicht.

Einige interessante Sachen habe ich aber dann doch gefunden. Bei so hoher Pixeldichte denkt man immer zuerst an das Rauschverhalten. Ein direkter Vergleichstest mit der Nikon D300s (hier zu finden) hat mich dann doch überrascht. Die Nikon hat ja bekanntermaßen eine deutlich geringere Auflösung (12 Megapixel). Dennoch habe ich bei den Beispielbildern das Gefühl, daß das Rauschverhalten der EOS 7D deutlich besser ist (und nebenbei auch die Bildschärfe). Wenn ich mir die Bilder ansehe, dann finde ich, das man auch ISO-Einstellungen von 3.200 noch durchaus benutzen kann.

Das Onlinemagazin „Digitalkamera“ hat die EOS 7D im Labor durchgetestet und den Testbericht (kostenpflichtig) online gestellt. Im Rahmen des Tests wird der 7D durchaus gutes Rauschverhalten bestätigt, daß dies aber mit einer aggressiven Aufbereitung der Bilddateien erreicht wird, was u.a. wohl zu Lasten insbesondere der Detailzeichnung in den Schatten geht.

Das Bildrauschen hängt aber letztendlich auch von der Umwandlung der Sensordaten in die Bilddatei ab. Bei den Tests wird grundsätzlich auf die von der Kamera generierten JPG abgestellt. Wenn man (wie ich) nur RAW-Dateien verarbeitet, hängt das endgültige Rauschen nicht zu letzt auch von den Algorithmen des RAW-Entwicklers ab. Und hier gibt es derzeit noch gar keinen für das von mir benutzte Lightroom. Die oben genannten Tests gegeben aber zumindest einen Anhaltspunkt, was man aus dem Ausgangsmaterial machen kann. Daher bin ich im Moment vorsichtig optimistisch, dass das Rauschen nicht das entscheidende Problem sein wird.

Ein anderer limitierender Punkt für die Bildqualität ist das Objektiv. Ist das Bild schon matschig, weil das Objektiv nichts taugt, hilft auch der beste RAW-Konverter nix. Machen wir uns nichts vor. Auch wenn es immer noch viele gibt, die dem guten alten Film hinterher trauern (Schallplatte anyone?), in Bezug auf die reine Bildauflösung haben die Digitalkameras den Kleinbildfilm längst weit hinter sich gelassen. Letztens habe ich noch mal DIN A4 große Abzüge eines Kleinbildnegatives gesehen. Direkt daneben liegende digital aufgenommene Bilder waren deutlich besser. Die hohe Auflösung setzt auch deutlich höhere Ansprüche an die Objektive. So ist den Testern von der „Digitalkamera“ bei einem Test mit dem EF 50 1:2,5 Makro ein überraschend hoher Randabfall aufgefallen. Überraschend deshalb, weil das Objektiv ein Vollformat-Objektiv mit entsprechend großem Bildkreis ist und die klassische Randunschärfe von Objektiven aufgrund des kleineren APS-C-Sensors meist nicht mehr zum tragen kommt (jedes Objektiv bietet in der Bildmitte die höchste Bildqualität und fällt zum Rand mehr oder minder stark ab). Offensichtlich stellt die hohe Pixeldichte einen so hohen Anspruch an das Objektiv, daß sogar Vollformat-Objektive nicht mehr mitkommen. Dennoch bescheinigen die Tester dem Objektiv eine bemerkenswert hohe Auflösung.

Eine weitere, physikalische Eigenschaft ist die Abhängigkeit der Bildqualität von der eingestellten Blende. Bei praktisch allen Objektiven läßt sich die Bildqualität durch abblenden steigern. Jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn die Blendenöffnung zu klein wird, entsteht eine Unschärfe durch die Beugung des Lichtes an der Blende (die sogenannte Beugungsunschärfe). Bis vor kurzem war nicht bewußt, daß die Beugungsunschärfe auch abhängig von der Pixeldichte ist. Eigentlich ist sie eigentlich auch nicht, aber je feiner die Auflösung, desto eher wird Unschärfe tatsächlich erfasst.

Bei Tests mit dem EF-S 18-135 1:3,5-5,6 IS USM kommt die „Digitalkamera“ zu dem Ergebnis, daß bei der EOS 7D die Beugungsunschärfe teilweise bereits ab einer Blende von 1:9,5 zu einer Verschlechterung der Bildqualität führt. Bei einem Objektiv mit einer Anfangsblende von 1:5,6 bedeutet das, daß sich bereits nach 1,5 Blendenstufen, ausgehend von der offenen Blende, wieder die Bildqualität verschlechtert. Wenn ich mich recht erinnere, liegt der Punkt bei der EOS 1 Ds Mark III bei Blende 1:13 (hier kann ich allerdings keine Quelle außer „Hörensagen“ angeben).

Dies alles läßt mich im Moment zweifeln, ob es für die EOS 7D im Moment überhaupt brauchbare EF-S Objektive gibt und ob die Kamera für mich einen wirklichen Qualitätssprung zu meiner EOS 40D generieren kann. Abgesehen davon hab ich aber auch noch etwas Zeit, denn noch kann Lightroom nicht mit den RAW-Daten der EOS 7D umgehen und ich damit auch nicht (dies ist aber ein anderes Ärgernis, auf daß ich in Kürze zurückkomme).

Ab heute ist bei dem örtlichen Fotodealer eine kleine Hausmesse, bei der auch Canon vor Ort sein wird. Vielleicht kann man da mehr erfahren…

Stay tuned

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