Quo Vadis, Bachus? EOS 7D oder EOS 5D oder ganz was anderes oder nix (Part II)

Bei der Hausmesse von Leistenschneider habe ich inzwischen die Gelegenheit gehabt, die EOS 7D in die Hand zu nehmen und auch ein paar Worte mit den Leuten von Canon zu wechseln. Mir ist bewusst, dass die Leute von Canon nicht wirklich objektiv über ihre Produkte informieren, aber ich denke nicht, dass sie auf gezielte Fragen mit dreisten Lügen antworten. Eher, dass sie vielleicht im Zweifel zu ihren Gunsten ein ganz kleines bisschen übertreiben.

Mein Eindruck von der Kamera: Nice

Sie liegt gut in der Hand und hinterlässt einen wertigen Eindruck. Aber das tut meine EOS 40D ja auch schon, das kann man verlangen. Der Blick durch den Sucher begeistert. Der Sucher ist angenehm groß und muss sich nicht mehr vor den Nikon-Suchern verstecken. Die neue Technik mit dem durchsichtigen LCD-Display, über das die Autofokuspunkte sowie die Gitternetzlinien eingeblendet werden, macht einen sehr guten Eindruck. Allerdings ist es keine Punktmatrix, die man frei programmieren kann, sondern es kann nur vorgegebene Strukturen z.B. Autofokusfelder und Linien (Gitternetz) anzeigen. Auch die elektronische Wasserwaage wird im Sucher über die Autofokusfelder angezeigt. Wenn nur das zentrale Feld fett ist, befindet sich die Kamera horizontal und vertikal im Lot. Insgesamt kann mich das neue Sucherkonzept überzeugen.

Die Autofokusfelder decken einen Gutteil des Bildes ab, deutlich mehr als bei der EOS 5D. Irgendwie können die wohl zu Gruppen zusammengefasst werden, aber da bin ich dann nicht mehr so intensiv eingestiegen.

Das Bedienkonzept entspricht im wesentlichen der EOS 5D Mark II (und damit auch dem der EOS x0D-Reihe). Im vergleich zu meiner EOS 40D sind ein paar Knopfe anders belegt und die Steuerknopfe unter dem Display sind wieder an den linken Rand gewandert. Zwei Knöpfe sind neu: Ein eigener Knopf für Live-View (bzw. Filmen) und ein Knopf, mit dem man Raw-Dateien zu schalten kann. Beides brauche ich nicht. Für mich war die Belegung der Set-Taste für Live-View okay und außerdem fotografiere ich alles und immer im RAW-Modus. Allerdings stören die Tasten auch nicht, also was soll’s.

Motivprogramme gibt es nicht, aber die wird wohl auch niemand vermissen, der sich die Kamera kauft.

Nicht zu letzt aufgrund des Suchers ist das die beste Canon SLR unterhalb der 1er-Reihe, die ich jemals in der Hand gehalten habe (ohne Berücksichtigung der Bildqualität).

Interessant war das Gespräch mit den Canon-Mitarbeitern. Ich konnte auch ein paar Testfotos machen, aber die sind natürlich vor dem Hintergrund der Messe-Bedingungen nicht so aussagekräftig, so dass ich mich zunächst mal auf die Lobpreisungen der Canon-Leute beziehe. Zu den Testfotos und wie sie in derzeit in Lightroom umgesetzt werden (grausig) komme ich wahrscheinlich noch in einem eigenen Blogeintrag.

Was das Rauschen angeht, meinten die Canon-Repräsentanten, dass das Rauschverhalten bis ISO 3200 praktisch identisch mit dem der EOS 5D Mark II sei. Erst bei höheren ISO Einstellungen wäre die EOS 5D Mark II leicht besser. Das glaube ich einfach mal so, denn der direkte Vergleich zwischen der EOS 7D und der Nikon D300s (siehe Link) zeigt schon, daß das Rauschverhalten sehr gut ist (auf Kosten von Details in den Schatten, wie „Digitalkamera“ feststellte, siehe letzten Blogeintrag)

Was die Anforderungen an die Objektive angeht, wurde freimütig zugegeben, dass ältere Objektive, wie auch mein EF-S 18-85 1:4-5,6 IS USM, überfordert sind und die notwendige Auflösung nicht bringen. Die beiden neuen Objektive wären aber deutlich besser (das glaube ich, schließlich hat die „Digitalkamera“ über das neue EF-S 18-135 1:3,6-5,6 IS geschrieben „Das lichtschwache Superzoomobjektiv liefert bei offener Blende für diese Pixelzahl eine erstaunlich hohe Auflösung[…]“). Angeblich wird nun für das Glas eine neue Technik verwandt, die deutlich geringeren Toleranzen zuläßt (das kann ich nicht beurteilen). Das EF-S 18-135 1:3,6-5,6 IS USM sei mit dem EF 24-105 1:4 L IS  vergleichbar (das glaube ich nun nicht).

Das Problem mit der Beugungsunschärfe bereits bei verhältnismäßig großen Blenden (lt. „Digitalkamera“ ja bereits ab Blende 1:9,5) wurde bestätigt. Aber wenn ich mich für das EF-S 17-55 1:2,8 interessiere, wäre das kein so großes Problem, dass habe nämlich seine optimale Abbildungsqualität bei Blende 4.

Was die Geisterbilder angeht, sind aussagegemäß nicht alle Exemplare der EOS 7D betroffen. Inzwischen gibt es aber auch schon ein Firmware-Update.

Da steh’ ich nun, ich armer Thor!
Und bin so klug als wie zuvor;

Die Kamera macht einen guten Eindruck. Ein gewisses „haben-wollen“ kann ich nicht leugnen. Aber gleichzeitig ist mir klar, das ich meinen bisherigen Objektivbestand wahrscheinlich nur noch eingeschränkt nutzen kann, was die Sache mittelfristig noch teuerer macht. Sollte ich mich wirklich für das EF-S 18-55 1:2,8 IS USM als begleitendes Objektiv entscheiden hätte ich weiterhin das Problem, dass mir entscheidende Millimeter im Weitwinkelbereich fehlen. Das heißt, ich bräuchte noch zusätzlich ein passendes Weitwinkelobjektiv. Da muss man auch mal erst eins finden, welches den Anforderungen der EOS 7D gewachsen ist. Außerdem ist es mit 55mm auch im Telebereich etwas knapp.

Denkbar wäre dann noch das neue EF-S 15-85 1:3,6-5,6 IS USM. Das Objektiv ist sowohl im Weitwinkel als auch im Telebereich deutlich attraktiver. Aber dafür ist es aber recht lichtschwach und der abblendbare Bereich bis zur Beugungsunschärfe ist recht klein. Außerdem habe ich keine Ahnung, wie sich das Objektiv in Bezug auf Verzeichnung verhält. Tests und Meinungen habe ich zu dem Objektiv noch gar nicht gesehen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das Objektiv überhaupt schon erhältlich ist.

Egal wie ich mich entscheide, alle Investitionen in EF-S Objektive wären spätestens dann verloren, wenn ich in Zukunft wirklich mal zu einer Vollformat-Kamera wechseln würde.  Nochmehr Pixel und die optimale Blende ist rechnerisch größer als die offene Blende der meisten Objektive.  Deshalb gehe ich davon aus, das in mit der nächsten, spätestens übernächsten Kamerageneration auch im Bereich der ambitionierten Amateure das Vollformat Einzug halten wird. An der Pixelschraube wird man bei den APS-C Sensoren nicht mehr weit drehen können. Inzwischen gibt es Gerüchte, das Sony in der Preisklasse der EOS 7D bzw. der Nikon D300s mit einer Vollformatkamera um die Ecke kommen könnte.

Alternativ könnte man die EOS 7D mit L-Objektive bestücken, z.B. mit dem EF 24-105 1:4 IS USM. Aufgrund des Crop-Faktors bräuchte man aber wieder zwingend ein weiteres Weitwinkelobjektiv (EF 17-40 1:4 USM?). Nur könnte man dann für das Geld auch gleich die EOS 5D Mark II dem EF 24-105 1:4 IS USM bekommen. Leider wurde die Kamera von der Marketingabteilung  limitiert, damit sie den 1ern das Wasser nicht abgräbt und ist eigentlich etwas zu beschränkt für meinen Geschmack.

Was tun sprach Zeus… (… die Götter sind besoffen und der Olymp ist vollgekotzt)

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